Der Kuss - ein süßes Phänomen
Der Adrenalinspiegel steigt, die Hormone sprühen wie wild durch den Körper und das Herz erreicht Höchstgeschwindigkeit. Erst ist er die Overtüre unseres Liebesleben, später ist er der Gradmesser für die Betriebstemperatur unserer Beziehung. Zu was ein Kuss so alles fähig ist, hat wohl schon jeder am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Das Schöne an diesem Thema ist, dass jeder mitreden kann. Jeder kann mühelos jede Menge Varianten nennen, die er schon mal ausprobiert hat: liebliche und leidenschaftliche, förmliche und feurige, schmatzende, schnelle, sündige, mit Knall und ohne Knall, im Auto, auf der Couch, unterm Regenbogen, im Wasser, im Zug und, und, und. Küssen – jeder glaubt, das wäre kinderleicht und so selbstverständlich – mithin kaum der Rede wert.
Von wegen. Der Kuss, Dauerbrenner in der Weltgeschichte der Liebe, bietet weit mehr als die bekannten Begleitumstände wie "süßes Entzücken", "zärtliches Erdbeben", "wonnige Erschaudern", "himmlisches Vergnügen".
Küssen ist gesund!
Vor allem fördern Küsse jenes Verlangen, das letztlich den Fortbestand der Spezies Mensch garantiert.
Nüchtern betrachtet ist der Kuss nichts weiter als das Zusammenspiel von gut einem Dutzend Muskeln, wobei der Musculus orbicularis zunächst die Hauptarbeit übernimmt. Dieser Ringmuskel spitzt den Mund zu einer Art Ooooooh. Hilfestellung leisten die gesamte Zungen - und Mundbodenmuskulatur sowie die mimischen Gesichtsmuskeln.
Eine alte medizinische Schrift fasste einst zusammen: Der Kuss ist diejenige Art der Bewegung Labialmuskeln, durch welche die Lippen erst gepresst, dann plötzlich losgelassen werden. Der Kuss ist daher eigentlich eine Art von Krampf.
Wenn sich Verliebte küssen und ihre Zungen, ihr Verlangen, und ihre Lust ins Spiel bringen, gerät der ganze Körper in Wallung. Erhöhte Schilddrüsenaktivität, die Bauchspeicheldrüse gibt Insulin ab, die Nebenniere setzt Adrenalin frei. Das Herz fängt an zu rasen. Aufregung und freudige Erregung haben noch einen weiteren Effekt: Sie dämmen die Produktion eines negativen Stresshormons, das normalerweise an der Entstehung von Depressionen und Frustrationen beteiligt ist.
Man kann also getrost sagen: Küssen ist gesund. Mehr noch. Weil Küssen das Seelenleben stabilisiert, verlängert es sogar die Lebenserwartung um bis zu fünf Jahre.
Die Küsse rutschen immer tiefer
Küsse beeinflussen unser Leben - und zwar lebenslang. Und vor allem der erste Kuss. Er ist Eckdatum in jeder Biographie. "Ein Mann der richtig küssen kann, bringt mich total auf Touren". "Ein guter Kuss", schrieb eine Hausfrau der bekannten Sexforscherin Susan Merl, "ein richtig guter Kuss ist manchmal besser als bumsen".
Männer messen dem Kuss offenbar weitaus weniger Bedeutung bei. Dabei ist besonders der Kuss ein wichtiger Bestandteil in jeder Beziehung. Wenn sich Partner nur mehr flüchtig küssen, kriselt es meistens, auch wenn sie noch miteinander schlafen. Fazit: Zärtliche, innige Küsse kommen nur zustande, wenn die Gefühlslage eines Paares noch in Ordnung ist, wenn noch seelisch Harmonie vorhanden ist. Allerdings: Die meisten Männer haben keine Ahnung, wo Frauen am liebsten geküsst werden wollen. Na gut, Mund und Lippen bedienen sie traditionell. Aber die weiblichen Wunschregionen: Busen, Hals und Muschi kommen deutlich zu kurz. Zungenküsse verlieren an Bedeutung, Körperküsse, besonders an intimen Stellen, sind in. Beim Mann Ohren, Hals, Nacken, Schenkel und natürlich der Penis. Auch Frauen lieben Liebkosungen unterhalb der Gürtellinie besonders Busen, Bauchnabel und der ganze Pobereich.
Der Kuss hat viele Namen
- Halskuss: Die Vorliebe der Frauen, denn mehr als neunzig Prozent empfinden die Halspartie als hocherogene Zone: "Das kitzelt aber schön, das macht mich ganz scharf".
- Lippenkuss: Die Grundform aller Küsse, die sehr von der Kreativität lebt.
- Handkuss: Weder als Flirt noch als Anmache geeignet, sondern etwas altbackene Begrüßung.
- Dauerbrenner: Kuss ohne Ende und ohne dass die Zunge ins Spiel kommt. Wird besonders gern von unerfahrenen Liebespaaren praktiziert.
- Liebesbiss: Anspruchsvolle, sinnliche Spielart, zugleich ein Drahtseilakt zwischen tiefem Verlangen und kontrollierter Aggressivität.
- Kusshand: Seit dem achtzehnten Jahrhundert bekannte Höflichkeitsgebärde.
- Riechkuss: Eigentlich eine Spezialität der Eskimos. Sie zeigen, wenn sie zärtliche Gefühle ausdrücken wollen, einander die Zunge und reiben dann die Nasen aneinander.
- Versöhnungskuss: Geheimwaffe, mit der Verliebte einen Streit beenden. Zorn verwandelt sich in Ergebenheit, Distanz in Nähe. Dem zunächst zaghaften Friedensangebot folgt stets ein längerer Liebeskuss – und danach geht es ab in die Falle.
- Zungenkuss: Er ist fordernd, er ist verlangend, er ist erregend. Die Zunge – sie symbolisiert den Penis – stürmt in den Mund – Synonym für die Vagina. Der Zungenkuss ist also nicht mehr und nicht weniger als ein angedeuteter Geschlechtsakt.
Fazit: Ob zärtlich oder stürmisch, leidenschaftlich oder schüchtern und verspielt - ein Kuss bedeutet immer Leidenschaft pur.
Wie war das mit den Lippen?
Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen...
So jedenfalls die unmissverständliche Aufforderung in einem alten Schlager. Oft fragen Männer sich, warum sich Frauen die Lippen rot anmalen. Immerhin geschieht das seit über 5000 Jahren, und im Durchschnitt schminkt sich jede Frau täglich rund vier Minuten ihre Lippen. Hochgerechnet kommt sie dabei auf einen ganzen Tag im Jahr. Ein voller, sinnlicher Mund, am liebsten rot und saftig wie eine Erdbeere, ist der Wunsch jeder Frau und der Traum jedes Mannes. Gerade in Europa gilt: Volle, rot geschminkte Lippen sind sinnlich und erotisch. Der neue Trend ist eindeutig: Rot in allen Schattierungen. Wer mit der jetzigen Mode gehen will, sollte auch die Lippen in satten Farben glänzen lassen.
Für das Auftragen von knallrotem Lippenstift gilt Perfektion, denn gerade bei kräftigen Tönen wird jeder Patzer sichtbar. Einst betonten Frauen Farbe und Schwung ihrer Lippen mit Pflanzenfarben. Vor ca. 120 Jahren kam der erste Lippenstift zum Einsatz. Heute sind die raffinierten Mischungen aus Farbpigmenten, Wachsen und Ölen das meistgekaufte Schminkprodukt auf der Welt. Allein in Deutschland gehen jährlich ca. 40 Millionen Exemplare über den Ladentisch. Im Trend ist auch Permanent-Make-up. Bei dieser Art der Verschönerung wird die Farbe in die unteren Hautlagen gespritzt und verblasst erst nach Jahren. Immer mehr Frauen lassen sich die Lippen, meist mit Collagen, aufpolstern. Die rein biologische Substanz wird dabei einen Millimeter unter die Haut gespritzt. So manche prominente Frau lächelt uns so an: Melanie Griffith, Pamela Anderson, Meg Ryan und viele mehr. Allerdings sind die Schönheitsideale überall verschieden, und viele Naturvölker schrecken nicht vor schmerzhaften "Verschönerungen" zurück. Scheiben, kleine Holzklötzchen oder Knochen werden in die durchbohrten Ober- oder Unterlippe eingesetzt. Wer schön sein will, muss leiden, ist hier Programm.
Was erwartet den Mann nach dem ersten Kuss? Ein Blick auf ihre geschminkten Lippen verraten es ihm, denn die sprechen Bände. Wie jetzt Wissenschaftler herausfanden, gibt es zwischen der Lippenstiftfarbe und ihren Sexvorlieben einen Zusammenhang. Bei knalligem Rot ist Vorsicht erstes Gebot Nummer eins. Sie spielt gern mit dem Feuer, gilt als temperamentvolles Teufelsweib. Im Bett gibt sie die Marschrichtung an, und haucht ihrem abgeschlafften Partner schnell wieder neues Leben ein. Aufpassen bei der Lady, die sich pink zur Schau stellt. Bei ihr muss es schrill und außergewöhnlich sein, die Missionarsstellung ist bei ihr tabu. Requisiten in ihrem Schlafzimmer erklären ihre fesselnde Ausstrahlung. Romantisch und verspielt ist die Frau die sich rosé schminkt. Nach außen hin verkörpert sie den selbstbewussten Typen, aber insgeheim wünscht sie sich fantasievoll und zärtlich verführt zu werden. Den dezent aufgelegten Braunton bevorzugt die Karrierefrau. Sie ist eher unauffällig im Verhalten, kommt jedoch meist erfolgreich zu ihrem Ziel. Warum nicht ein Quickie? Kurz, heftig, aber gut und voll befriedigend muss ihr Sex sein. Die Farblose, die am liebsten nur einen Labellostift benützt. Dabei treibt´s diese Frau recht bunt. Ungeschminkt nennt sie die Sache beim Namen. Sex-Talking macht sie wild und hemmungslos.